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Hey, Baby!

Aristoteles zitieren, Wodka spendieren oder ab in den Single-Supermarkt: In jedem Land wird anders geflirtet.

Italien

Die Deutschen haben Tomaten auf den Augen, in Italien sagt man „Schinken um die Augen gewickelt“: Nur Blinde merken nicht, wenn ein Italiener mit einem flirtet. Ein „Ciao Bella“ als Ansprache, danach gibt es keine Missverständnisse mehr. Mädchen dagegen eröffnen für gewöhnlich mit der Frage nach einer Zigarette. Jungs zahlen immer die Getränke. Falls sich die Herren Küsschen auf die Wange geben - das machen in Italien auch Männer. Das hat nichts weiter zu bedeuten als Ciao.

Bulgarien

Ein Mädchen auf der Tanzfläche in Bulgarien ist wie Honig für die Bienen. Normalerweise wird sie von unzähligen Verehrern umschwirrt, die auf der Suche nach einer Liebesnacht sind. Will man lieber etwas Ernstes, sollte man besser auf eine Privatparty gehen. Die Mädchen sind selbstsicherer, die Musik nicht zu laut, die Leute können einen sogar verstehen - zumindest akustisch. Mit ein bisschen Glück bleibt die wilde Disko-Herde wo sie ist. Die Trink-Regeln sind simpel: “Wodka-Flirt“ ist ein fester Begriff. Wer einen ausgibt, der sendet ein ziemlich eindeutiges Signal.

Spanien

Ärger mit Spaniern anzufangen, ist ein Spiel mit dem Feuer. Muchacho, lass deinen Blick nicht zu lange auf ihr verweilen! Chica, lass dich nicht auf ein Dirty Dancing mit ihm ein – es sei denn, es ist ernst. Spanier sind heißblütig: Sie lieben oder hassen von ganzem Herzen. Für echte Liebe geben sie alles. Allerdings gibt es zum Teil sehr unterschiedliche Interpretationsansätze bezüglicher der Dauer echter Liebe.

Griechenland

Dass die Griechen gastfreundlich sind, Sirtaki tanzen können und zu viel Knoblauch essen, ist bekannt. Auch ihre Liebe zur Kultur scheint ungebrochen: An archäologisch beeindruckenden Orten, bei romantischen Spaziergängen, da flirten die Griechen am liebsten. Um Erfolg zu haben, wird jeder zu einem kleinen Platon, Aristoteles oder gar Shakespeare; also dringend ein paar Verse lernen. Der neueste Trend: Der Liebsten ein kleines Ständchen singen.

Polen

Wie flirtet man am besten im schüchternen, introvertierten Polen? Für erste Annäherungsversuche empfehlen sich Orte, an denen getanzt wird. Der oder die auserwählte sollte durch zwei, drei Biere stimuliert sein. Dann langsam annähern. Interesse durch Körpersprache signalisieren. Wichtig ist die Musik, die sollte schrecklich laut sein, dann muss man nach dem Tanzen nur Telefonnummern oder ein paar kurze Sätze austauschen. Die erste Verabredung ist dann gewöhnlich ein Treffen im Kino, in einem Café, bei einem Konzert oder in einem Pub. Dann aber bei Zimmerlautstärke.

Schweiz

Die Schweizer: Kulinarisch weltberühmt dank Fondue und Schoki, wahlweise auch Schoki-Fondue. Man kann also zum Schokieinladen, versuchen, ein anregendes Gespräch zu beginnen und testen, ob Schweizer so langsam wie ihr Ruf sind. Oder man geht zum Inder. Das ist das Codewort. Wer zum Inder einlädt, der hat keine normale Verabredung, sondern einen unmissverständlichen Flirt. Wie der Brauch entstand, man weiß es nicht mehr. Vielleicht hatte jemand beim Fondueessen viel Zeit, um sich mal etwas anderes zu überlegen.

Deutschland

Schüchterne Jungs und direkte Mädchen: In Deutschland laden die Weibchen auf ein Bier, die Männchen auf einen Kaffee ein. Der erste Schritt ist der schwierigste - die Deutschen warnen sogar in Liedern davor, dass sie sehr subtil flirten. Bei ihnen geht es um das Gespräch; zu frühes, direktes zur Sprache bringen des Zwecks der Konversation quittieren selbst Männer mit einem Rückzug. Gemeinsames Kaffeetrinken zeugt auf jeden Fall von wechselseitigem Interesse. Aber erstmal reden.

Belgien

Alleine in eine Disko oder Bar gehen und Leute anquatschen, das funktioniert vielleicht in Südeuropa. Hier hört allenfalls der Barkeeper zu. Allerdings auch nur dann, wenn er eine Bestellung aufnimmt. Totale Vereinsamung und Vollrausch sind die Folgen. Wie aber vermehren sich die Belgier? Für gewöhnlich nähern sich die Geschlechter bei der Arbeit an. Auch Sprachkurse oder Praktika bringen Fremde in Einklang mit den Bräuchen der Einheimischen.

Niederlande

Die Holländer, berühmt für ihr Single-Dasein und bekannt als fleißige Arbeiter, haben einen neuen Flirt-Trend: „Single“-Supermärkte. Nicht nur, weil man dort leicht und schnell Ein-Mann-Fertigmahlzeiten bekommt. Wen man hier in der Schlange an der Kasse anspricht, ist meist Single. Vorsicht mit Witzen über Bananen oder Melonen. Gespräche über den Vitamingehalt von Tiefkühlpizzen eignen sich dagegen hervorragend, um gleich zum nächsten Italiener einzuladen.

Portugal

Die wahren Gentlemen: Portugiesische Männer öffnen die Tür des Autos, helfen in die Jacke, bezahlen das Abendessen. Dass sie das fast bei jeder machen, ist Teil ihrer Strategie. Zur ersten Kontaktaufnahme bedienen sie sich zunächst eines simplen Tricks, so alt wie die Melancholie selbst: Sie sprechen Frauen auf der Straße an und geben dann vor, es habe sich doch nur um eine Verwechslung gehandelt. Mag plump klingen, ist aber eindeutig.

Türkei

Die Türkei ist nur etwas für absolute Profi s. In Großstädten ist flirten durchaus drin, in den Dörfern ist der soziale und familiäre Druck dagegen noch zu groß. Mädchen haben Angst, beobachtet zu werden, wenn sie mit einem Mann in der Öffentlichkeit sprechen. Viel Zeit und strategisches Vorgehen ist deshalb geboten. Zuerst gilt es, die Gunst der Eltern des Mädchens zu gewinnen. Direkte Gespräche mir ihr sind in den Häusern von Freunden oder am Rande von Vorlesungen an der Uni möglich. Intensives Werben führt nach einigen Jahren zum Erfolg – möglicherweise. Allerdings verändern sich die Gepflogenheiten in der Türkei zurzeit massiv. Warten könnte sich lohnen.

Autorin: Irene Sacchi
Illustrationen: Anne Buch
Übersetzung: Michael Kaczmarek


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