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Stadtgespr├Ąche

Draculas Schloss, Zank um Käse und eine Statue, die ein Land spaltet: Worüber Europa in letzter Zeit so gesprochen hat.

Barcelona (Spain)


Das Immigranten-Zeugnis kommt. Zumindest, wenn es nach Alberto Fernandez ginge. Der Kandidat der konservativen Volkspartei Spaniens für die Gemeindewahlen in Barcelona fordert ein Zeugnis, das bewertet, ob sich Immigranten korrekt verhalten. „Gute Führung und gutes Zusammenleben“ sollen die Kriterien sein. Gute Noten bekommt, wer „eindeutig die Gesellschaft, die Stadt und das Land, von denen sie aufgenommen werden, respektiert“.

Immigranten-Verbände und Parteien sind empört. Auch der Bürgermeister von Barcelona, Jordi Hereu, findet, derartige Maßnahmen seien gefährlich und diskriminierten Menschen bestimmter Herkunft, Hautfarbe und ethnischen Hintergrunds. Hereu erinnert, dass Rechte für alle Menschen gleich gelten. Sowohl was das Ausüben als auch das Erlangen angeht.

Athens (Greece)


Athen erlebt die härtesten Studentenunruhen seit Jahren. Linke Studenten und Professoren fürchten den Ausverkauf der Lehre: Die Regierung in Athen will einen Artikel aus der Verfassung streichen, der bisher garantierte, dass die höhere Lehre „unter dem Schutz des Staates“ steht. Tritt die Änderung in Kraft, wäre erstmals private Lehre an den Unis möglich.

Die Auseinandersetzungen mit der Polizei sind gewaltsam: Ende Februar versammelten sich in der griechischen Hauptstadt mehr als 23 000 Universitätsangehörige aus allen Teilen des Landes. Die Demonstration endete mit vielen Verletzten, die Polizei nahm dutzende Studenten fest.

London (United Kingdom)


„Durchgefallen in Sexualkunde“ ist das Fazit eines Berichts der britischen Vereinigung zur Familienplanung. 495 eigentlich erwachsene Briten haben die Wissenschaftler befragt. Ergebnis: Auf der Insel ist man nicht gerade gebildet in sachen Sex. 89 Prozent der Befragten wussten nicht, dass Spermien bis zu sieben Tagen im Körper der Frau überleben können.

50 Prozent hatten keine Ahnung, zu welchem Zeitpunkt des Zykluses die Frau am fruchtbarsten ist. Schließlich glauben 29 Prozent an eine simple Methode zur Verhütung: Frauen sollten nach dem Sex einfach auf- und abspringen.

Brasov (Romania)


Dracula macht mal wieder Schlagzeilen. Es geht um den Verkauf des Schlosses, in dem der Graf laut Bram Stokers Roman seine Opfer aussaugte. 50 Jahre nach der kommunistischen Enteignung hat die Regierung die Festung aus dem 14. Jahrhundert wieder der Familie von Habsburg zurückgegeben.

Ihr Eigentümer, Abkömmling der königlichen Familie, lebt in New York und will das Schloss für 60 Millionen Euro wieder an die rumänischen Behörden veräußern. Ein „exorbitanter“ Betrag, beschweren sich diese. Die Regierung fürchtet nun, der Erbe könnte das Schloss an eine Hotelkette verkaufen. Oder an einen Investor, der einen Dracula-Themenpark daraus macht.

Sankt Petersburg (Russia)


Die russische Armee wird mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert: Ältere Militärangehörigen sollen sich ein Zubrot verdient haben, indem sie junge Soldaten zur Prostitution zwangen. Die Menschenrechts-Organisation „Komitee der Soldatenmütter“ hat den Skandal an die Öffentlichkeit gebracht. Das russische Innenministerium leugnet die Anschuldigungen.

In einem Fall soll ein 18-jähriger Soldat so brutal zusammengeschlagen worden sein, dass ihm beide Beine und Hoden amputiert werden mussten. In St. Petersburg soll es ein ganzes Netz von Kunden geben, die für den Kontakt mit Soldaten bezahlen. Das Militär will eine Untersuchung einleiten.

Merchtem (Belgium)


In Belgien streitet man sich für gewöhnlich um Sprachangelegenheiten, das bringt keinen Schlumpf mehr zur Weißglut. Eddie de Block, Bürgermeister, hat trotzdem landesweit für Empörung gesorgt: In den Schulen von Merchtem soll man fortan kein Französisch mehr sprechen, damit die Kinder ordentlich Flämisch lernen. Das Verbot betrifft auch die Eltern der Kinder und überhaupt alle, die für Schulen tätig sind.

Die Lehrer sollen angewiesen werden, jedem einen Verweis zu erteilen, der innerhalb der Schulmauern eine andere Sprache als Flämisch spricht. Sollten Eltern bei Zusammenkünften in der Schule nichts verstehen, wird ihnen immerhin ein Dolmetscher zur Seite gestellt.

Amsterdam (The Netherlands)


Seit dem 11. September 2001 fühlen sich die Muslime in den Niederlanden zunehmend diskriminiert. Viele Imame sind nach Frankreich oder Spanien ausgewandert. Die muslimische Kontaktgruppe in Holland warnt jetzt vor den Folgen – eine Radikalisierung muslimischer Gemeinden.

Die frei gewordenen Stellen werden von Geistlichen besetzt, die weniger gut ausgebildet und extremistischer sind als ihre Vorgänger. Einige sollen Anhänger der strikt konservativen Wahhabi-Doktrin sein. Auch die Mitglieder der muslimischen Gemeinden liegen im Streit mit den neuen Radikalen.

Talinn (Estonia)


Mitten in Tallinn steht er, mit Stahlhelm in der Hand, und blickt bedrohlich auf die Stadt. Der „bronzene Soldat“, ein Relikt aus Sowjet-Zeiten, zeigt einen Rotarmisten und erinnert an die Befreiung des Landes von den Nazis. Nun soll das Ding weg, denn viele Esten verbinden damit ebenfalls ein Symbol der Unterdrückung.

Der estische Präsident Toomas Hendrik Ilves lehnt allerdings ein Gesetz ab, das zu einem Abriss der Statue verpflichtet und gleichzeitig verbieten soll, Monumente zur Verherrlichung des Sowjet-Regimes zu errichten. Besonders die im Land lebenden Russen wehren sich gegen das Gesetz. Der Streit dauert an.

Warszawa (Poland)


Polen und die Slowakei zanken sich derzeit um ein scheinbar triviales Thema – Käse. Es begann, als sich die EU entschied, dem polnischen Käse „Oscypek“ das Zertifikat einer eingetragenen Marke zu verleihen. Sie setzte wie üblich eine Frist, in der Einwände gegen die neue Marke abgegeben werden konnten.

Kurz vor Ablauf wandte der slowakische Landwirtschaftsminister ein, bei besagtem Käse würde es sich eigentlich um eine slowakische Spezialität namens „Ostiepok“ handeln.Polen konterte: Ihr „Oscypek“ werde zu 60 Prozent aus Schafsmilch hergestellt, der „Ostiepok“ dagegen zu 80 Prozent aus Kuhmilch, mitnichten handle es sich um die gleiche Sorte. Die EU gab den beiden Länden nun ein halbes Jahr Zeit, den Käsestreit zu lösen.

Ankara (Turkey)


Die EU debattiert um die Aufnahme der Türkei – das Land legt sich dabei selbst Steine in den Weg. Immer noch wird die kurdische Minderheit im Land nicht anerkannt, wie der Fall um den Vorsitzenden der Demokratischen Partei der Türkei, Ahmet Turk und seinen Stellvertreter Aysel Tegluk zeigt.

Weil sie Flugblätter in kurdischer Sprache verteilten, verurteilte sie ein Richter zu sechs Monaten Freiheitsstrafe: Das Parteiengesetz verbietet bei Veranstaltungen und Veröffentlichungen politischer Vereinigungen den Gebrauch einer anderen Sprache als der türkischen.

Autor: Carolina Pirola
Übersetzung: Katharina Hirmer


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