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Au├čeneinsichten

Der beste Weg zur Selbsterkenntnis? Nachbarn fragen.

Arrogante Europäer

„Manchmal habe ich das Gefühl wir müssen sehr unterwürfig sein, um die europäischen Kunden zu halten. Das habe ich immer wieder erfahren, seit ich vor fünf Jahren mit meiner Firma Urwibutso angefangen habe, Passionsfrüchte nach Brüssel zu liefern. Zunächst konnten wir unseren Kundenstamm schnell ausbauen: Bananen, Erdbeeren und Mangos schickten wir nach Italien, Deutschland, Frankreich und die Niederlande. Aber die Europäer sind unglaublich anspruchsvoll, die Qualitätsstandards sehr hoch. Wenn wir Afrikaner mit den Europäern verhandeln, sind wir immer in der schwächeren Position. Einmal rief uns ein belgischer Importeur an. Ein ganzer Container sei verdorben in Brüssel angekommen. 1,5 Tonnen Bananen! Leider hatten wir keinen Vertreter in Europa, der die Sache hätte überprüfen können und jemanden aus Ruanda zu schicken, wäre viel zu teuer gewesen. Also mussten wir ihm glauben. Dieser Zwischenfall hat uns 20 000 Euro gekostet. Heute liefere ich keine frischen Früchte mehr nach Europa. Die Preise sind enorm gefallen, außerdem ist das Risiko zu groß. Dafür exportieren wir jetzt Säfte und Bananenwein nach Belgien, Frankreich und Deutschland. Gerade komme ich aus Italien zurück. Dort habe ich für 900 000 Euro neue Maschinen zur Herstellung von Fruchtsaftkonzentrat gekauft. Wir brauchen europäische Maschinen, um europäischen Standards entsprechen zu können.“

Gérard Sina (43 Jahre), wohnt mit seiner Frau und fünf Kindern in Kigali, der Hauptstadt von Ruanda.

Aufgezeichnet von Heike Schröder

Studiert fleißig, oder...


„Wenn es einen Ort auf der Welt gibt, an dem man Leben sollte, dann ist es Großbritannien. Die Menschen dort sind absolute Gentleman, Profi s, echte Freunde, unglaublich. Täglich rufe ich sie von meinem Call-Center in Neu Delhi aus an und versuche, ihnen UMTS-Handys und Verträge der “3G - The third generation mobil network campaign” zu verkaufen. Manchmal nerve ich richtig. Sie sitzen beim Essen, ich ruf an und melde mich als “Charles”. Meinen Namen Vishnu versteht ja keiner. Dann erzähle ich ihnen mit meinem indischen Akzent wie sie mit den neuen Verträgen Geld sparen können. “Vielen Dank, der Herr, ich habe kein Interesse”, schmatzen sie dann in den Hörer. Wenn ich dagegen in die USA anrufe, oh mein Gott! Die fangen sofort an zu fluchen, beschimpfen meine Mutter oder meine Schwester, obwohl ich nur einen Bruder habe. Aber wir sind sehr erfolgreich, im Call-Center und überhaupt in Indien. Das macht mich stolz. Jeden Tag ziehen wir mehr Arbeitsplätze von Europa in mein Land und verdienen Milliarden mit euch. Europa könnte viel mächtiger sein, wenn ihr euch anstrengen würdet. Italien, Frankreich, England, Deutschland, ihr habt doch alle die gleiche Kultur. Aber es ist schon gut so. Die Briten haben uns 300 Jahre beherrscht. Das reicht, jetzt sind wir an der Reihe. Uns gehört die Zukunft. Ich kann euch nur sagen: Strengt euch an. Konzentriert euch auf eure Arbeit, konzentriert euch auf euer Studium. Wenn nicht, dann kommen einfach die kleine gelben Männer aus Indien und China, machen das Geschäft und weg ist der Reichtum.“

Vishnu Sharma (20 Jahre), Job-Alias „Charles“, arbeitet im Neveneo Call-Center in Neu Delhi und studiert Wirtschaft, Handel und Englisch.

Aufgezeichnet von Ingo Arzt


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